Auf Smartphones sind digitale Assistenten wie Googles Now, Apples Siri und Microsofts Cortana schon länger vertreten, im nächsten Schritt sollen sie nach dem Willen der Hersteller auch die Wohnzimmer erobern. Mit Google Home und Amazon Echo sind bereits zwei solcher sprachgesteuerten Assistenzsysteme erhältlich, die laut Werbeaussagen den Alltag der Nutzer erleichtern sollen. Vor allem eröffnen die Geräte den Anbietern jedoch eine neue Dimension der Datensammelei.

Björn Greif

Bei den stationären digitalen Assistenten handelt es sich im Grunde um Lautsprecherboxen, die zugleich mit Fernfeldmikrofonen und Spracherkennung ausgestattet sind. Vollständig aktiviert werden sie durch Signalwörter wie „Alexa“ oder „Ok Google“. Um diese erkennen zu können, müssen sie aber ständig in den Raum hinein lauschen. Ob und was dabei möglicherweise aufgezeichnet wird, lässt sich nicht sicher sagen.

„Als Datenschützerin sehe ich intelligente Sprachassistenten, die mit einem Mikrofon permanent ihre Umgebung ‚belauschen‘, kritisch“, sagte die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff schon im Mai dem Magazin Wirtschaftswoche. Bedenklich sei vor allem, dass in der Regel nicht hinreichend transparent sei, wie die dabei erfassten Informationen genutzt und gespeichert würden. Sie rate dazu, „den Komfortgewinn durch die Nutzung des Sprachassistenten gegen eine – jedenfalls theoretische – Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Privatsphäre abzuwägen.“

Mehrheit der Verbraucher lehnt Sprachassistenten ab

Eine gesunde Skepsis herrscht offenbar auch bei der Mehrheit der Verbraucher vor. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom will nur rund jeder Zehnte einen stationären Sprachassistenten tatsächlich nutzen. 39 Prozent können sich den Einsatz abseits vom Smartphone zumindest vorstellen, etwa um Haushaltsgeräte zu steuern oder Informationen von Suchmaschinen abzurufen. Die Mehrheit hat aber keinerlei Interesse an einem Sprachassistenten im Wohnzimmer. Knapp drei Viertel davon begründen ihre Abneigung damit, dass sie keine Daten an Unternehmen übermitteln wollen. Für 16 Prozent kommt eine digitale Sprachsteuerung generell nicht in Frage. Viele fürchten um die Sicherheit ihrer Daten gegenüber Dritten. 61 Prozent haben Angst, dass Hacker die Geräte manipulieren und mithören könnten.

Umfrage zum Einsatz digitaler Sprachassistenten (Grafik: Bitkom)
Der Bitkom bewirbt digitale Sprachassistenten als "intelligente Haushaltshelfer", die zahlreiche Aufgaben erfüllen können (Grafik: Bitkom).

Die Datensammelei der Anbieter selbst dürfte aber die weitaus größere Gefahr für die Privatsphäre der Nutzer darstellen. Google und Co sind nämlich stets daran interessiert, möglichst viel über dich zu erfahren, um ein vollständiges persönliches Profil zu erstellen. Wenn sie dein Surfverhalten, deine Interessen und Vorlieben kennen, können sie ihre Services sowie Werbung perfekt auf dich zuschneiden. Je genauer Werbung deine Bedürfnisse trifft, desto effektiver ist sie, und umso mehr Geld lässt sich damit verdienen. Dabei sind die Anzeigen selbst nicht das größte Problem, sondern die dafür gesammelten Daten. Sie liegen auf den Servern der US-Hersteller und sind damit nicht vor dem Zugriff durch Dritte geschützt. Beispielsweise können sich US-Behörden wie der Auslandsgeheimdienst National Security Agency (NSA) mittels Gerichtsbeschluss Zugang verschaffen.

Datenverarbeitung in der Cloud birgt Gefahren

Herzstück von Google Home ist der neue Google Assistent, der Quasi-Nachfolger von Google Now. Er nutzt maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz, um sich mit der Zeit auf die Gewohnheiten sowie Verhaltensmuster des Anwenders einzustellen und somit Aufgaben wunschgemäß zu erledigen. Amazon setzt bei Echo auf seine entsprechende Lösung Alexa. Beide Systeme verarbeiten die Sprachbefehle nicht lokal, sondern auf Servern in der Cloud. Wenn du also via Heimassistent beispielsweise das Licht in deinem Wohnzimmer einschalten oder Musik abspielen willst, geht der Befehl einmal um die Welt, statt nur einige Meter zum Lichtschalter oder zur Stereoanlage.

Was dabei genau übertragen und dauerhaft gespeichert wird, ist meist genauso unklar wie die Antwort auf die wichtige Frage, mit wem die Daten geteilt werden. Spracheingaben liefern zudem oft wesentlich mehr Informationen als zunächst gedacht. Nutzer sollten sich daher im Klaren darüber sein, dass Dritte eventuell mitlesen beziehungsweise mithören. Wie immer gilt es, zwischen den Vorteilen technischer Neuerungen und dem Schutz deiner Privatsphäre abzuwägen. Denn letztlich entscheidest du als Verbraucher mit deinem Nutzungs- und Kaufverhalten, welche Technik – mit allen ihren Vor- und Nachteilen – sich durchsetzt und welche nicht.