WhoTracks.me: Finde heraus, wer dich im Web verfolgt

In einer zweiteiligen Blogserie stellen wir euch die Website WhoTracks.me vor – das erste Transparenzwerkzeug für Online-Tracking im Web. Es erstellt Profile von Trackern sowie beliebten Websites und gibt Aufschluss über die Marktstrukturen des Datenaustauschs im Netz.

WhoTracks.me

Björn GreifRedakteur

Auf welchen Websites wirst du am stärksten ausgeforscht? Welche Tracker sind die am meisten verbreiteten? Und welche Unternehmen stecken dahinter? Antworten auf diese Fragen liefert die neue Website WhoTracks.me, die auf den Anti-Tracking-Technologien von Cliqz und Ghostery aufbaut. Das Online-Tool liefert strukturierte Informationen zu Tracking-Techniken, Marktstrukturen und dem Datenaustausch im Web.

WhoTracks.me befindet sich aktuell noch in einer Pilotphase mit ausschließlich deutschem Datenbestand. In den kommenden Monaten werden jedoch Tracking-Daten für viele weitere Länder hinzukommen.

Was ist ein Tracker?

Egal, ob du im Internet einkaufst, Bankgeschäfte erledigst, Nachrichten liest oder Pornos anschaust (was natürlich niemand tut), du wirst fast immer von Dritten beobachtet. Denn auf nahezu jeder Website finden sich Tracker, die praktisch alles protokollieren, was du online tust – meist ohne dass du etwas davon mitbekommst. Um Tracker auf Websites sichtbar zu machen und die Übertragung privater Daten an Dritte zu unterbinden, empfiehlt sich der Einsatz eines Anti-Tracking-Tools wie Ghostery.

WhoTracks.me definiert Tracker als Drittanbieter-Domains, die

  • auf mehr als 10 verschiedenen Websites verlinkt sind und für einen bedeutenden Gesamtanteil am Datenverkehr verantwortlich zeichnen.
  • Cookie- oder Fingerprinting-Verfahren einsetzen, um eine Benutzerkennung (User Identifier oder kurz UID) zu übermitteln.

Tracker-Betreiber verwenden UIDs, um die Website-übergreifend gesammelten Informationen über Nutzer zu verknüpfen. Auf Basis des Surfverlaufs erstellen sie dann ein detailliertes Profil, das meist für Analyse- oder Werbezwecke genutzt wird.

Problematisch daran ist, dass selbst höchst vertrauliche Informationen in den Datenbanken der Tracker landen und niemand mit Sicherheit sagen kann, was damit geschieht. Die Daten erlauben nicht nur Rückschlüsse auf deine Interessen und Kaufabsichten, sondern unter anderem auch auf deinen Gesundheitszustand, deine sexuelle Orientierung oder deine politische und religiöse Einstellung. Schon wenige URLs aus deinem Surfverlauf reichen aus, um dich eindeutig zu identifizieren. Eine vermeintliche Anonymisierung ist leicht zu umgehen, sodass sich dir letztlich zutiefst private Informationen aus vorherigen Seitenbesuchen zuordnen lassen.

Google und Facebook beobachten dich fast überall

WhoTracks.me gibt Aufschluss über einen sehr komplexen und versteckten Teil des Webs: Tracking. So kannst du dir schnell und einfach einen Überblick über die am weitesten verbreiteten Tracker oder die Websites mit den meisten Trackern verschaffen. Wusstest du zum Beispiel, dass Googles Tracking-Skripte zusammen 79 Prozent des gesamten Webtraffic überwachen und 29 Prozent aller Webseiten einen Facebook-Tracker aufweisen? Selbst wenn du dich bewusst entscheidest, auf sämtliche Dienste sowie Produkte von Google und Facebook zu verzichten, sehen sie mittels ihrer auf Websites von Dritten platzierten Tracking-Skripte immer noch einen Großteil von dem, was du im Netz tust.

Google überwacht mit seinen Trackern über drei Viertel des gesamten Webtraffic, Facebook knapp ein Drittel.

Top-500-Rangliste der verbreitetsten Tracker

Die Tracker-Übersichtsseite von WhoTracks.me listet die 500 verbreitetsten Tracker auf. Du kannst die Liste wahlweise nach Verbreitungsgrad oder Tracker-Betreiber (alphabetisch) sortieren. Zudem erfährst du mehr über den Anteil der verschiedenen Tracking-Verfahren (Cookies, Fingerprinting) und den durchschnittlichen Datenverbrauch, den Tracker erzeugen.

Die Marktdominanz von Google spiegelt sich auch in der Tracker-Rangliste wider.

Zu jedem Tracker gibt es eine Detailseite mit ausführlichen Statistiken. Sie informiert über:

  • das Unternehmen, das hinter dem Tracker steckt
  • den Ranglistenplatz
  • Domains, unter denen der Tracker betrieben wird
  • Reichweite nach Webtraffic
  • Reichweite nach Websites
  • Verbreitung nach Website-Typ (z.B. Adult, E-Commerce, Entertainment, News and Portals)
  • Tracking-Verfahren (Cookies, Fingerprinting)
  • Tracker-Kategorie (z.B. Advertising, Site Analytics, Social Media)
  • ähnliche Tracker

Auf welchen konkreten Websites der jeweilige Tracker besonders häufig auftaucht, wird durch eine nach Website-Typ filterbare Wortwolke visualisiert.

Beispielsweise überwacht die Nummer eins der Tracker-Rangliste, Google Analytics, 44,2 Prozent des gesamten Webtraffics. Insgesamt nutzen 61,3 Prozent aller Websites den Google Analytics Tracker. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Google Analytics auf extrem vielen Seiten vorhanden ist, aber weniger häufig auf beliebten Sites.

Alle wichtigen Informationen zu einem Tracker finden sich auf der Detailseite, hier: Google Analytics.

Außer nach Trackern kannst du auf WhoTracks.me auch gezielt nach Websites suchen, um herauszufinden, wie viele und welche Tracker auf ihnen aktiv sind. Mehr dazu erfährst du im zweiten Teil unserer Blogserie. Darin erklären wir auch, woher die Daten für WhoTracks.me stammen.