Entgoogle dich: interessante Alternativen zu Google-Produkten

Du willst Googles neugierigen Blicken entkommen? Wir stellen einige spannende Alternativen zu Chrome, Google-Suche, YouTube, Gmail, Google Maps, Google Drive, Play Store und Android OS vor.

Ungoogling

Björn GreifRedakteur

Google bzw. dessen Mutterkonzern Alphabet erhebt mit seiner Suche, dem Mobilbetriebssystem Android, der App-Vertriebsplattform Play Store, dem Browser Chrome und Diensten wie YouTube, Gmail oder Maps massenhaft Daten über praktisch jeden in der westlichen Welt. Zusätzlich überwacht der Internetgigant mit seinen Tracking-Skripten rund 80 Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Damit ist Google der bedeutendste Datenmonopolist – noch mit großem Abstand vor Facebook.

Alle Google-Produkte sind darauf ausgelegt, möglichst viele Informationen über jeden einzelnen Nutzer zu sammeln, in detaillierten Profilen zusammenzuführen und für zielgerichtete Online-Werbung zu verwenden. Letztlich bezahlst du für die vermeintlich kostenlosen Dienste mit deinen Daten – und wirst somit selbst zum Produkt.

Wer das nicht will, sollte Google den Rücken kehren – was jedoch einfacher klingt als es tatsächlich ist. Ein erster Schritt ist der Umstieg auf Produkte und Dienste, die nicht von Google kontrolliert werden. Im Folgenden stellen wir interessante Alternativen für die meisten Google-Angebote vor.

Der in Deutschland entwickelte Open-Source-Browser Cliqz basiert auf Mozillas Firefox und kommt mit eingebauter anonymer Schnellsuchmaschine sowie diversen Privatsphäre-Funktionen. Er bietet umfassenden Schutz vor Aktivitätenverfolgung (Tracking) und Identitätsdiebstahl (Phishing), einen integrierten Werbeblocker sowie viele weitere praktische Funktionen wie automatisch verschlüsselte Website-Verbindungen (HTTPS Everywhere) und einen Video Downloader. Ergänzend zu der Cliqz-Suche kannst du eine alternative Suchmaschine wie DuckDuckGo oder Startpage als Standard festlegen. Zudem unterstützt der kostenlose Cliqz Browser Firefox-Add-ons und ist für alle gängigen Plattformen (Windows, Mac, Android, iOS) verfügbar. Falls du nicht den Umweg über den Play Store machen möchtest, kannst du die APK-Datei für Cliqz für Android auch direkt hier herunterladen.

Wer noch mehr Privatsphäre will, kann zum Tor Browser greifen, der ebenfalls auf Firefox aufbaut. Tor anonymisiert Verbindungsdaten, indem Anfragen verschlüsselt über mehrere Proxyserver des weltweiten Tor-Netzwerks geleitet werden. Darunter leidet aber die Surfgeschwindigkeit. Außerdem kann es aufgrund der extrem strikten Datenschutz-Einstellungen des Tor-Browsers immer wieder dazu kommen, dass Website-Funktionen beeinträchtigt werden.

Die im Cliqz Browser integrierte anonyme Schnellsuchmaschine zeigt dir noch während der Eingabe die drei relevantesten Ergebnisvorschläge für deine Suchanfrage an: Einfach tippen, Website-Vorschlag auswählen oder für weitere Ergebnisse Enter drücken. Smart-Cliqz-Ansichten liefern in Echtzeit Wettervorhersagen, Währungsrechner-Ergebnisse, aktuelle Nachrichten und vieles mehr. Anders als Google speichert Cliqz die für die Suche erforderlichen Daten nicht auf seinen Servern, sondern lokal auf dem Gerät des Nutzers. Somit bleiben deine Daten immer in deinem Besitz und unter deiner Kontrolle.

DuckDuckGo und Startpage sind ebenfalls anonyme Suchmaschinen, die keine personenbezogenen Daten sammeln. Sie arbeiten mit einer klassischen Suchergebnisseite, verzichten aber auf das von Google eingesetzte Tracking und Anzeigen-Targeting. DuckDuckGo verwendet hauptsächlich Suchergebnisse von Bing und Oath (ehemals Yahoo), Startpage setzt auf Google-Resultate. Beide kannst du auch als ergänzende Suchmaschine im Cliqz Browser einrichten.

Dailymotion bietet eine ähnliche Oberfläche wie YouTube mit diversen Kanälen und einer Suchfunktion. Anders als YouTube setzt es eher auf Qualität statt Quantität. Zudem gilt Dailymotion in Urheberrechtsfragen als toleranter als YouTube oder Vimeo. Uploader müssen also seltener damit rechnen, dass ihre Videos wegen möglicher Copyright-Verletzungen entfernt werden.

Bei Vimeo geht Qualität vor Quantität.
Bei Vimeo geht Qualität vor Quantität.

Auf Vimeo finden sich eher professionelle Inhalte von Musikern, Filmemachern und anderen Kreativen. Auch hier geht Qualität vor Quantität. Suchergebnisse lassen sich nach Kategorien, Spielzeit, Upload-Datum, etc. filtern. Auf der Hauptseite finden sich kuratierte und inhaltlich sortierte Listen sowie gerade angesagte Videos. Zudem verzichtet Vimeo anders als YouTube und Dailymotion komplett auf Werbung.

Die quelloffene und kostenlose Android-App NewPipe erlaubt Zugriff auf alle YouTube-Inhalte, aber ohne Tracking und Werbung von Google. Sie kann nicht über den Google Play Store heruntergeladen werden, sondern erfordert zuvor die Installation des alternativen App-Stores F-Droid (siehe Play-Store-Alternativen).

NewPipe gibt Zugriff auf YouTube-Inhalte (Bild: NewPipe)
NewPipe gibt Zugriff auf YouTube-Inhalte (Bild: NewPipe)

F-Droid ist ein installierbarer Katalog mit FOSS-Apps (freier und Open Source Software) für Android. Der Client vereinfacht die Suche nach und die Installation von Apps. Er weist auch darauf hin, wenn Updates für installierte Apps verfügbar sind.

Mit Yalp Store kannst du Apps direkt aus dem Google Play Store als APK-Dateien herunterladen. Dafür kommt ein integrierter Account zum Einsatz, du benötigst also kein eigenes Google-Konto – außer du willst auf bereits gekaufte Apps zugreifen. Yalp Store kann auch selbständig nach Updates für installierte Apps suchen. Die Installation muss dann aber manuell angestoßen werden. Der Yalp Store selbst lässt sich aus F-Droid herunterladen.

Der Yalp Store erlaubt es, ohne eigenes Google-Konto Apps als APK-Dateien aus dem Play Store herunterzuladen und aktuell zu halten (Bild via GitHub).
Der Yalp Store erlaubt es, ohne eigenes Google-Konto Apps als APK-Dateien aus dem Play Store herunterzuladen und aktuell zu halten (Bild via GitHub).

ProtonMail mit Sitz in der Schweiz gilt als sicherer E-Mail-Service. Nutzer können sich anonym anmelden, alle Nachrichten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und es werden keine IP-Adressen protokolliert. Zudem ist der Softwarecode (teilweise) Open Source. ProtonMail bietet einen kostenlosen Zugang mit 500 MByte Speicherplatz und einem Limit von 150 Nachrichten pro Tag. Wer mehr Speicherplatz benötigt und mehr Nachrichten pro Tag versenden möchte, muss auf einen kostenpflichtigen Account (ab 48 Euro pro Jahr) upgraden.

Der kostenlose ProtonMail-Zugang umfasst 500 MByte Speicherplatz und Versand von maximal 150 Nachrichten pro Tag (Bild: ProtonMail).
Der kostenlose ProtonMail-Zugang umfasst 500 MByte Speicherplatz und Versand von maximal 150 Nachrichten pro Tag (Bild: ProtonMail).

Der deutsche E-Mail-Service Tutanota unterstützt wie ProtonMail Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, erlaubt eine anonyme Anmeldung und speichert ebenfalls keine IP-Adressen. Seine Software ist komplett Open Source. Tutanota stellt kostenlos 1 GByte Speicherplatz bereit. Premium-Funktionen wie eigene Domains, unbegrenzte Suche, Aliase, Inbox-Regeln und E-Mail-Support gibt es ab 12 Euro pro Jahr. Die Pro-Version kostet ab 60 Euro pro Jahr und umfasst 10 GByte Speicher, 20 Aliase, Priority Support und weitere Zusatzfunktionen.

Bei Tutanota gibt es 1 GByte Speicherplatz kostenlos (Bild: Tutanota).
Bei Tutanota gibt es 1 GByte Speicherplatz kostenlos (Bild: Tutanota).

Here WeGo (ehemals Here Maps) verwendet eigene Kartendaten und entspricht hinsichtlich Bedienung sowie Funktionsumfang zu weiten Teilen Google Maps. Die Navigationsoptionen umfassen Routen für Auto, Fahrrad und Fußgänger sowie öffentliche Verkehrsmittel, Taxi und Carsharing. Offline-Karten und -Navigation werden ebenfalls unterstützt. Here WeGo ist sowohl als Web-App als auch für Android und iOS verfügbar.

Here WeGo ähnelt in Bedienung und Funktion stark Google Maps (Bild: Here WeGo).
Here WeGo ähnelt in Bedienung und Funktion stark Google Maps (Bild: Here WeGo).

Maps.me nutzt die Kartendaten von OpenStreetMap und ist für Android und iOS verfügbar. Es bietet Routen für Auto, Fahrrad, Fußgänger und öffentliche Verkehrsmittel. Da die App standardmäßig Offline-Karten verwendet, wird zur Suche und Navigation keine Internetverbindung benötigt – natürlich vorausgesetzt, die benötigte Karte wurde zuvor heruntergeladen. In den Einstellungen lässt sich auch die Standortbestimmung über die Google Play Services abschalten. Allerdings erfasst Maps.me laut seiner Datenschutzerklärung diverse Nutzungsdaten.

Maps.me ermöglicht Offline-Navigation auf Basis von OpenStreetMap-Daten (Bild: Maps.me).
Maps.me ermöglicht Offline-Navigation auf Basis von OpenStreetMap-Daten (Bild: Maps.me).

Eine Open-Source-Alternative ist OsmAnd, das ebenfalls Kartendaten von OpenStreetMap verwendet. Wie Maps.me ist es nur für Mobilgeräte (Android und iOS) verfügbar. Die Funktionen ähneln denen von Maps.me, jedoch ist die Bedienung etwas sperriger. Die kostenlos im Play Store angebotene Version ist leicht beschnitten (Downloadlimit, keine Wikipedia POIs). Für die über F-Droid erhältliche Vollversion OsmAnd+ gelten diese Einschränkungen nicht.

OsmAnd ist Open Source und verwendet ebenfalls OpenStreetMap-Karten (Bild: OsmAnd).
OsmAnd ist Open Source und verwendet ebenfalls OpenStreetMap-Karten (Bild: OsmAnd).

Sync.com mit Sitz in Kanada bietet Ende-zu-Ende verschlüsselten Cloud-Speicher und verspricht, dass nicht einmal die eigenen Mitarbeiter Zugriff auf darin abgelegte Daten haben (Zero-knowledge policy). Der Service umfasst geräte- und plattformübergreifende Dateisynchronisierung (Windows, Mac, Android, iOS, Web) sowie diverse Sharing-Optionen (Dateien, Ordner, Links). Die Bedienung ähnelt der von Google Drive oder Dropbox. Die kostenlose Starter-Version kommt mit 5 GByte Speicherplatz und eingeschränkten Sharing-Funktionen. Ab 49 Dollar pro Jahr gibt es die Personal-Pro-Version mit 500 GByte (oder 2 TByte für 96 Dollar jährlich) sowie diverse Business-Varianten mit noch mehr Cloud-Speicher.

Sync.com bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Dateisynchronisierung und zahlreiche Sharing-Funktionen (Bild: Sync.com)
Sync.com bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Dateisynchronisierung und zahlreiche Sharing-Funktionen (Bild: Sync.com)

Die Open-Source-Software Keybase nutzt ein Public-Key-Verschlüsselungssystem und kombiniert einen Cloud-Speicherdienst mit einem Krypto-Messenger. Keybase richtet auf dem Computer ein virtuelles Laufwerk (bzw. einen Ordner /keybase) ein, das einen privaten, einen öffentlichen und einen Team-Ordner enthält. Entsprechend kann nur der Nutzer selbst, jedermann über die öffentliche Webseite keybase.pub/benutzername oder ausschließlich Teammitglieder auf die darin abgelegten Inhalte zugreifen. Alle Dateien auf dem virtuellen Laufwerk werden automatisch verschlüsselt in die Cloud hochgeladen. Ein großer Vorteil von Keybase gegenüber Konkurrenzangeboten: Aktuell erhalten Nutzer satte 250 GByte Cloud-Speicher kostenlos.

Keybase ist Krypto-Messenger und verschlüsselter Cloud-Speicher in einem (Bild: Keybase).
Keybase ist Krypto-Messenger und verschlüsselter Cloud-Speicher in einem (Bild: Keybase).

Zusatztipp: Um sicherzustellen, dass Cloud-Speicher-Anbieter deine hochgeladenen Daten nicht lesen können, solltest du sie vor dem Upload auf deinem Gerät verschlüsseln. Dabei helfen Tools wie Cryptomator. Die über Spenden finanzierte Open-Source-Software ist kostenlos und benötigt keine Anmeldung. Damit kannst du beispielsweise auch einen Datentresor auf Google Drive erstellen. Alle Dateien, die du auf dem von Cryptomator bereitgestellten virtuellen Laufwerk ablegst, landen dann automatisch verschlüsselt in deinem Tresor auf Google Drive.

Mit Cryptomator lassen sich Daten vor dem Upload in Cloud-Speicherdienste wie Google Drive verschlüsseln (Bild: Cryptomator).
Mit Cryptomator lassen sich Daten vor dem Upload in Cloud-Speicherdienste wie Google Drive verschlüsseln (Bild: Cryptomator).

Unabhängig davon, welche Apps du benutzt, sammelt Google allein schon über sein Mobilbetriebssystem Android und die vorinstallierten Play Services zahlreiche Daten. Wenn du das verhindern willst, musst du auf ein anderes System umsteigen. Hier bietet sich LineageOS an, das aus dem eingestellten CyanogenMod-Projekt hervorgegangen ist. LineageOS lässt sich ohne Google-Konto nutzen und ist zu den meisten gängigen Android-Geräten kompatibel. Die Installation ist relativ aufwendig, aber dank ausführlicher Anleitungen für halbwegs versierte Nutzer gut zu bewältigen.

LineageOS Logo
LineageOS Logo

LineageOS kommt standardmäßig ohne Google Play Services und Google-Apps. Stattdessen enthält die Android-Distribution diverse Open-Source-Anwendungen. Wer dennoch nicht auf bestimmte proprietäre Apps oder Bibliotheken verzichten will, welche zwingend die Google Play Services voraussetzen, findet in dem Open Source Framework microG einen Ersatz für die Play Services. Weil Installation und Einrichtung recht kompliziert sind, richtet sich microG aber eher an versierte Nutzer.

Die naheliegendste und auch für Laien geeignete Android-Alternative ist natürlich iOS. Allerdings ist der Wechsel mit hohen Kosten für ein Apple-Gerät verbunden. Zudem tauscht man die noch relativ offene Android-Welt gegen das geschlossene Apple-Ökosystem ein. Auf der anderen Seite ist Apple – wie es auch selbst gerne betont – datenschutzfreundlicher als Google, weil es ein anderes Geschäftsmodell verfolgt.

Doch selbst, wenn du jegliche Google-Produkte durch Alternativen ersetzt und dein Google-Konto gelöscht hast, bist du nicht vor den neugierigen Blicken des Internetgiganten sicher. Denn wie eingangs erwähnt, finden sich Googles Tracking-Skripte auf über drei Vierteln aller Webseiten, z.B. in Form von Google Analytics oder Doubleclick. Wenn du deine Online-Aktivitäten vor Google und anderen Datensammlern verbergen willst, empfiehlt sich ein Anti-Tracking-Tool wie Ghostery oder der Cliqz Browser mit eingebautem Tracking-Schutz: